Wittow
Wittow bedeutet Windland. Nicht zufällig erhielt der Norden von Rügen diesen Namen, denn an rund 300 Tagen im Jahr herrscht hier der Wind.
Wittow Insel Rügen 10.03.10
Wenn man Rügens nördlichste Halbinsel mit dem Namen Wittow von Süden nach Norden durchquert hebt sich langsam das Land von der Ebene über dem Meeresspiegel zur Steilküste empor. Wittow bedeutet Windland. Nicht zufällig erhielt der Norden von Rügen diesen Namen, denn an rund 300 Tagen im Jahr herrscht hier der Wind. Allerdings nicht immer wie am 14. Januar 1993, als er am Kap Arkona sogar eine Spitzengeschwindigkeit von 166 km/h erreichte. Die Halbinsel ist von Bodden und Meer umgeben und durch eine 10 km lange Landzunge an der Tromper Wiek mit der Halbinsel Jasmund verbunden. Dort befindet sich auch der längste und schönste Strand, welcher Schaabe genannt wird. Die Wittower Fähre ist die Verbindung nach Westrügen. Der nördlichste Punkt der Halbinsel und somit auch der nördlichste Punkt Mecklemburg-Vorpommerns ist das Kap Arkona. Zu Wittow gehört Bug, eine ca 500ha große Halbinsel südlich von Rügen. Zu den bekanntesten Orten auf der Halbinsel zählen Kap Arkona, Vitt und Altenkirchen.
Das historische Fischerdorf Vitt besitzt keine Gründungsurkunde, aber folgt man nordischen Sagen gehörte es schon im 10. Jahrhundert als Hafen zum Kap Arkona. Der Namen Vitt kommt von „Vitten“, was das Wort für Anlande- und Handelsplätze war. 1290 bekamen die Vitten durch den slawischen Rügenfürsten Witzlav II mit einer Urkunde das Recht zum Fischfang überreicht. Mit dieser Urkunde erhielten sie gleichzeitig die Rechtsbarkeit und Unterlagen somit den Schutz des Landesfürsten. Nur Vitt konnte sich bis jetzt erhalten und steht nun unter Denkmalschutz. Alljährlich finden von August bis Oktober große Heringsmärkte statt und im Hafen werden Bootsfahrten zum Kap Arkona angeboten. Nun gibt es in Vitt keine Fischer mehr, das Dorf lebt nur noch vom Tourismus. Die kleine Kapelle ist mit dieser besonderen Geschichte zu einer Attraktion geworden.
Ludwig Gotthard Kosegarten, welcher von 1758 - 1818 gelebt hat, war Pastor in Altenkirchen. Zu seiner Gemeinde gehörte auch das Fischerdörfchen Vitt, wo es keine Kirche gab. Die Fischer mußten so zum Gottesdienst nach Altenkirchen laufen, doch während der Zeit des Heringsfangs war das zu weit, da die Fischer das Meer im Auge behalten mußten. Anhand der Farbe des Meeres konnten sie erkennen wann die Heringsschwärme in der Nähe waren und mußten dann schnell aufs Wasser. Somit gingen die Fischer während der Heringszeit nicht zum Gottesdienst nach Altenkirchen. Nun kam der Pfarrer zu ihnen und hielt unter freiem Himmel die Predigten ab, die Fischer konnten jetzt der Predigt zuhören und das Meer beobachten. Doch sie waren immer der Witterung ausgeliefert. Daher machte es sich Kosegarten zur Aufgabe eine Kapelle bauen zu lassen und sammelte dafür Geld. 1806 begann dann der Bau, doch durch den Krieg konnte diese erst 1816 fertiggestellt werden. Kosegarten beauftragte Runge 1805 mit der Ausmalung der Kapelle, doch im Jahr 1810 starb Runge. Das Gemälde hatte er fertig gestellt, doch es war in Hamburg, wo es in eine Kunsthalle eingelagert wurde. Einige Zeit später wurde eine Kopie angefertigt, welche jetzt in der Kapelle Vitt zu sehen ist.
Der traditionelle Fischer- und Seefahrerort Wiek liegt direkt am Bodden und war bis zum 19. Jahrhundert ein bedeutender Schiffsanlegeplatz. Mit seiner erhaltenen Ursprünglichkeit, galt es als eines der schönsten Dörfer Rügens. Der Name Wiek bedeutet „Dorf an der Bucht“. Früher wurde das Dorf auch Wiek Medow genannt, Medow bedeutet Honig also Süß, Begehrenswert und das ist Wiek noch heute. 1165 wurde Wiek zum ersten Mal urkundlich erwähnt und war stets eines der größten Dörfer der Insel, welches vom Hafenbetrieb lebte. Es ist ein ideales Surf- und Segelrevier. Um die Gemeinde wurden viele Wanderwege, sogar bis zur Wittower Fähre ausgebaut. Bei den jährlichen Heimatfesten ist das ganze Dorf auf den Beinen, doch der Höhepunkt ist der Ernteumzug im Jahr durch das Dorf bis zum Festplatz. Besonders Sehenswert ist die Kreidebrücke am Wieker Hafen. Es war früher eine Kreideverladebrücke die 1913-1915 gebaut wurde. Man wollte am Kap Arkona Kreide abbauen, doch nach dem ersten Weltkrieg wurde das Projekt aufgegeben. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die St. Georg Kirche in Wiek. Diese gothische Hallenkirche wurde ca 1400 - 1450 erbaut und gehört heute zu den wertvollsten Baudenkmälern der norddeutschen Backsteingothik. Der Freistehende verbretterte Glockenturm wurde ca 1600 gebaut. Des weiteren kann man dort alte Grabstellen und ein Kriegsdenkmal von 1923 finden.
Die Gemeinde Altenkirchen liegt ca 2km vom Ostseestrand Tromper Wiek entfernt. Der Ort greift auf eine über 800 Jahre alte Tradition zurück. Die Pfarrkirche in Altenkirchen ist eines der ältesten Backsteinbauten des gesamten Ostseeraumes. Im 11. Jahrhundert wurde unter Anleitung der Dänen mit dem Bau der Kirche begonnen. In der östlichen Wand des südlichen Chorbaus befindet sich ein eingemauerter Grabstein aus slawischer Zeit. Er zeigt einen bärtigen Mann mit einem Trinkhorn, vermutlich ein Priester des Svantevit. Auf dem kleinen Friedhof ist der 1818 verstorbene Dorfpfarrer Ludwig Gotthard Kosegarten (1758 - 1818) begraben. Er war bereits zu Lebzeiten ein bekannter und gern gelesener Schriftsteller. Altenkirchen ist noch heute der zentrale Ort von Wittow.
Das ehemalige Fischerdorf Dranske wurde 1314 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Name stammt aus dem slawischen und bedeutet soviel wie „Stock“. Es wurden Bodenfunde aus verschiedenen Epochen gemacht. Es wurden ein erhaltenes Hügelgrab bei Gramtitz, sowie Reste slawischer Siedlungen gefunden. Durch Schenkung, Pfändung und Verkauf ging die Siedlung Dranske in den Besitz von Rügener und Stralsunder Klöster und Wittower Kirchen über. Die älteste Gaststätte Rügens, der „Schifferkrug“, schenkte schon im Jahre 1455 Bier aus. Nach dem 30jährigen Krieg wurde Dranske zum Büdner- bzw Katendorf, nun konnte sich die Bevölkerung durch Fischerpacht, Seenotrettung und Schiffsbergung etwas dazu verdienen. 1683 eröffnete die erste Postlinie Ystadt-Bug-Stralsund, welche nur bis 1895 Bestand hatte, dennoch trug sie zur Entwicklung der Postlinie bei. Von 1895 bis 1921 gab es Lotsen auf dem Südbug. Doch der erste Weltkrieg brachte die Wende, denn das Militär begann den Ort zu prägen. In den 30er Jahren wurden 13 Gehöfte bis auf ein altes Schulhaus abgerissen und der Heutige Ortskern entstand. Auf Bug wurde ein Seeaufklärungsgeschwader mit Seenotgruppe stationiert, doch nach Kriegsende wurden die millitärischen Anlagen durch russische Truppen gesprengt und demontiert. Jetzt kamen zahlreiche Flüchtlinge. 1963 baute die Nationale Volksarmee der DDR Schnellbootstützpunkte auf Bug, dadurch wurden von 1968 – 1989 Großplattenbauten für die Familien der Berufssoldaten in Dranske gebaut. Einrichtungen wie Kaufhalle, Post, Apotheke, usw. folgten. Im Bereich Bakenberg entstanden zahlreiche Erholungs- und Freizeiteinrichtungen. Durch das Urlaubsangebot des FDGB wurde Dranske zu einem begehrtem Urlaubsziel. Der Marinestützpunkt wurde dann 1990 aufgelöst und 1991 komplett geschlossen. Nun bauten die Landwirtschaft und die Fischerei Arbeitsplätze ab und die Zahl der Einwohner sank von 3900 auf 1700. Erst jetzt wurden die Straßen und Wege erneuert und eine Promenade angelegt. Es werden heute dreistündige, geführte Wanderungen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft unternommen.